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Wäsche

Stroh zu Gold – Flachs zu Leinen?

LeinenverarbeitungHeute sind Kleidungsstücke aus Leinen wieder sehr gefragt und auch recht  kostspielig. Noch vor 100 Jahren war Leinen die Kleidung des „kleinen Mannes“. Besonders die Bauern trugen Leinenhemden und – blusen bei ihrer täglichen Arbeit. Leinen nimmt die Feuchtigkeit, die bei schwerer körperlicher Arbeit durch Schwitzen entsteht, sehr gut auf und gibt sie genau so schnell wieder ab. Deshalb baute fast jeder Bauer Leinen an. Früher wurde auf den Bauernhöfen Flachs gesponnen. Einmal im Jahr kam dann ein reisender Weber mit seinem Webstuhl und verwebte das Leinen zu Stoffen. Nur das Weben wurde, jedenfalls in Jänickendorf, vorrangig von wandernden Webern übernommen. Dadurch war die Leinenkleidung für die Bauern auch von den Kosten her die billigste Lösung . Außerdem verbot der Vater des „Alten Fritz“ strikt die Einfuhr von Cotton. Das war zu teuer und die Bauern sollten ihre eigenen Erzeugnisse nutzen. Die kleinen Samen wurden im März oder Anfang April in Furchen gesät, dann geeggt und schließlich gewalzt. Die Flachspflanze wird 1,20 bis 1,60 m hoch und hat wunderschöne, blassblaue Blüten – ein blühendes Flachsfeld ist ein herrlicher Anblick. Wenn die Blüten verwelken, beginnen sich die Samen zu bilden. Wird der Flachs wegen der Leinensamen angebaut, lässt man den Samen völlig ausreifen. Doch wer auf die Fasern des Stängels Wert legt, sollte den Flachs ernten, sobald Ende Juli die ersten Samen heran reifen. Der Flachs wurde von Hand geerntet, zu Garben zusammen gebunden (wie  Weizengarben, nur kleiner) und zu Mandeln aufgestellt. Wenn der Flachs trocken war wurde er zunächst geriffelt, das heißt die Pflanzen wurden durch einen senkrecht stehenden Stahlkamm gezogen, so dass die Samenkapseln abgestreift werden. Diese verwendete man entweder zum Ölpressen (Leinöl) oder als Viehfutter. Als nächstes wurden die entsamten Stängel für ein bis zwei Wochen in die flachen Wasserlöcher, die „Röten“, gelegt bis sie rissig wurden und aufsprangen. Dann wurden sie herausgenommen. Je wärmer das Wetter ist, umso kürzer muss der Flachs in der „Röte“ liegen bleiben. Die richtige Zeitspanne dafür brachte die Erfahrung. Danach wurden die Stängel mit Wasser gewaschen und getrocknet. Dazu breitete man den Flachs entweder auf einer trockenen Wiese in der Sonne aus oder stellte ihn wieder zu Mandeln zusammen. Die richtigen Leinenfasern erhält man durch das Schwingen. Man benutzte dazu eine Flachspresse – ein sehr einfaches Gerät aus zwei parallelen Holzlatten mit einer dritten Latte dazwischen, die mit einem Scharnier verbunden sind. Man zieht eine Hand voll Flachs über die beiden fest stehenden Latten und schlägt mit der dritten, so dass das Holz zwischen den Fasern bricht und entfernt werden kann. Der nächste Schritt in der Flachsverarbeitung war das Hecheln. Dabei wurden die Flachsfasern durch große Kämme oder früher über Nagelbretter gezogen, um die Fasern zu entfernen, die zu kurz zum Spinnen sind. Diese kurzen Fasern bezeichnet man als Werg. Werg wird zum Kalfatern von Schiffen, als Matratzenfüllung oder zum Seilmachen verwendet. Vor dem Spinnen mussten die Flachsfasern ordentlich ausgelegt werden: Man bindet sich ein Flachsbündel an die Taille und ordnet die Fasern Strähne für Strähne zu fächerförmigen Schichten. Der Fächer wird nun auf den Spinnrocken gewickelt. Das ist ein kurzer Stab mit geriffelten Kanten. Anschließend werden die Fasern am Rocken mit einem Band fest gebunden. Nun kam der Spinnrocken in das dafür vorgesehene Loch im Spinnrad und die ganze Docke wurde versponnen. Leinen hat ungebleicht eine graue bis blonde Farbe. Es hat einen matten Glanz. Selbst fein gesponnene Garne zeigen die typischen Verdickungen, die von unterschiedlich dicken Faserbündeln herrühren. Leinen ist sehr gut haltbar und nass sogar widerstandsfähiger als trocken.
Wer sich für die hier geschilderte Leinenverarbeitung interessiert, kann sich das alles besser vorstellen, wenn er die Museums-Scheune in Jänickendorf besucht, wo ein großer Teil der alten Geräte und Kleidungsstücke, zum Teil älter als 100 Jahre, zu besichtigen sind.

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