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Handwerk

Korbmacher

KorbmacherstuhlDas Korbflechten zählt zu den ältesten Handwerken der Menschen. Man benötigt kein besonderes Werkzeug dazu und Flechtmaterial, die Weidenruten, war fast überall vorhanden. Das Flechten könnte sogar das älteste Handwerk sein. Vielleicht gab der Bau der Vogelnester einst die Anregung, ähnliche "Gefäße" zum Sammeln und Aufbewahren von Waldfrüchten anzufertigen. Da Holz schnell verrottet, sind davon aber heute keine Erzeugnisse aus alten Zeiten bei Ausgrabungen auffindbar - im Gegensatz zu Tonscherben.
Eine Weide stand fast auf jedem Grundstück in Jänickendorf, denn hier herrschten durch die feuchten Sandböden bis zur späteren Melioration gute Bedingungen für deren Wachstum. Korbweiden wurden dazu extra angepflanzt, zum Beispiel im Elsenbruch und am Graben entlang der Röten.
Die Weidenruten schnitt man jedes Jahr um den Stamm herum ab, wo sie immer wieder neu ausschlagen. Sie müssen eine Länge von mindestens 1 - 2 Metern haben, möglichst von gleicher Stärke und ohne Äste sein. Deshalb eignen sich dazu am besten die Ruten der Korbweiden.
Bis in die 1960 er Jahre gab es in Jänickendorf sogar eine Weidenplantage. Sie gehörte dem Korbmacher Moltke aus Luckenwalde. Der Vorteil solch einer Plantage besteht darin, dass die Ruten hier gleich mit dem Grasmäher geerntet werden können. Das hat zu jener Zeit Richard Haberland für Moltke getan.
Das Schneiden ist im Spätherbst bis Winteranfang am günstigsten wegen der Fkorbmacherhammereuchtigkeit des Holzes. Werden die Ruten nicht frisch verarbeitet und liegen schon längere Zeit, müssen diese vor dem Flechten ein bis zwei Tage in Wasser eingeweicht werden, um sie biegsam zu machen.
Sollen aus den Weidenruten Kartoffelkörbe geflochten werden, verarbeitet man diese mit der Rinde. Sie sind dadurch bei großer Belastung haltbarer.
Begonnen wird stets mit dem Flechten des Korbbodens, der bei einem runden Korb einen Durchmesser von ca. 35 cm beträgt. Dazu legt man vier gleichlange Weidenruten sternförmig über Kreuz zusammen. Das Flechten wird ähnlich dem Stopfen ausgeführt.
Ist dieser fertig, biegt man die überstehenden Weidenruten nach oben und flechtet nun bis zur gewünschten Höhe in Rundungen weiter. Beim Verwenden frisch geschnittener Weidenruten muss nach jeder dritten bis vierten Runde das Weidengeflecht verdichtet werden. Dazu legt man ein flaches Stück Holz auf die obere Flechtkante und schlägt mit einem dicken Holzhammer darauf. Das ist nötig, weil sonst nach dem Austrocknen der Weide der Korb instabil und seine Haltbarkeit von geringer Dauer sein würde.
Die zum Schluss noch hochstehenden Enden der Weidenruten werden zu einem festen Randabschluss geflochten. Mit dem Durchstecken der letzten drei Weidenenden in den oberen Rand und dem Abschneiden der überstehenden Enden ist der Korb bis auf die Henkel fertig.
Diese werden rechts und links vom Korb angebracht. Dazu zieht man längere Weidenruten mit einer Stärke um die 3 - 4 mm bis zur Hälfte durch den oberen Flechtrand und dreht sie in sich zu einem Strang zusammen. Deren Enden werden dann in etwa 15 cm von der ersten Befestigung des Henkels ebenfalls in den Korbrand gesteckt und verflochten, so dass der Henkel auf beiden Seiten einen festen Halt hat und damit ist die Arbeit vollendet.
Um einen runden Korb zu flechten, benötigte der Betreffende schon einige Übung. Meist erkennt man die Körbe eines Anfängers an einer etwas leicht ovalen Form.
Zum Flechten eines eckigen Korbes steckte man vier 3 cm starke Hölzer in die Löcher einer Schneidebank und flocht um diese Hölzer den Korbboden. War dieser fertig, wurde dann entsprechend der gewünschten Höhe wie bei der Anfertigung der runden Körbe weiter nach oben geflochten. Für diese Korbhenkel wurde eine 2 bis 2,5 cm starke Weidenrute auf eine Biegevorrichtung gespannt, nach dem Trocknen mit kleinen Nägeln an den Bodenhölzern des Korbes befestigt und eingeflochten. Die Seitenteile des Henkels dienen gleichzeitig als Eckstabilität und werden beim Flechten der Seitenwände mit eingeflochten. Der über die Seiten ragende Bügel dient als Griff am Korb.

Auch Gestecke und Kränze wurden als Grabschmuck zum Totensonntag früher von den Bauern selbst gebunden.

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